Aktuell: Der Verein Disability Studies Deutschland e.V. verurteilt jegliche Bestrebungen, die bei knappen medizinischen Ressourcen im Kontext der COVID-19-Pandemie auf eine Isolation oder gar Selektion von Menschen aufgrund von Behinderung, Krankheit und Alter abzielen, und schließt sich dabei der Stellungnahme des Bochumer Zentrums für Disability Studies (BODYS) an, ebenso früheren Stellungnahmen u.a. der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL e.V.) und des Netzwerks Artikel 3 e.V. (siehe Corona-Protokoll von BODYS). Inzwischen fand zwar eine Überarbeitung der Handlungsempfehlungen zur sogenannten „Triage“ statt, die Kritik bleibt jedoch bestehen, als dass immer noch die umstrittene „Clinical Frailty Scale“ im Zentrum der Empfehlungen steht.


Die Arbeitsgemeinschaft Disability Studies (AGDS) ist ein Zusammenschluss behinderter Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und Künstler*innen aus Deutschland, die Behinderung nicht als behandlungsbedürftiges Problem verstehen, sondern als gesellschaftliche Differenzkategorie untersuchen.

Seit 2002 etablieren sich die Disability Studies im deutschsprachigen Raum und sind an einzelnen Instituten und Fachbereichen verankert. Die Disability Studies sind in Großbritannien und den USA in den 1980er und 1990er Jahren entstanden. Ihren Ursprung haben sie in deren politischen Behindertenbewegungen und in der kritischen Medizinsoziologie.

Der transdisziplinäre Wissenschaftsansatz versteht Behinderung nicht als natürliche Tatsache, sondern fragt nach Diskursen und Ideologien, die bei der Kategorisierung und Deutung von Behinderung eine Rolle spielen. Außerdem untersuchen die Disability Studies gesellschaftliche Praxen im Umgang mit als behindert kategorisierten Menschen. Sie grenzen sich von anderen „Behinderungswissenschaften“ ab, die Behinderung aus einem defizitorientierten, medizinisch-pädagogischen Blickwinkel betrachten.

Akteur*innen der Disability Studies sind behinderte und nichtbehinderte Forscher*innen, Aktivist*innen und Künstler*innen. Das Erfahrungswissen behinderter Menschen hat dabei ein großes Gewicht. In Entscheidungsgremien ist ihre Mehrheit verankert.

Die AG Disability Studies ist Teil des deutschsprachigen Netzwerks Disability Studies (gegründet auf der Konferenz „Disko18“ in Berlin) und kooperiert eng mit dem österreichischen Netzwerk DiStA.